SZ-2025-03-16

Text aus der SZ vom 16.03.2025

Autor: Anna-Maria Salmen

Erdwärme:Saubere Energie zu einem hohen Preis

16. März 2025, 15:48 Uhr

Lesezeit: 3 Min.

 

Manche Kunden der AFK Geothermie GmbH würden wohl gerne wieder raus aus ihren Wärmeverträgen - denn die Preise haben sich in den letzten Jahren verdoppelt. (Foto: Claus Schunk)

Geothermie gilt als umweltfreundliche, nachhaltige und vor allem regionale Alternative zu fossilen Brennstoffen. Doch in Aschheim, Feldkirchen und Kirchheim müssen Abnehmer des kommunalen Versorgers feststellen, dass sie für ihre Fernwärme viel mehr bezahlen als etwa Haushalte, die Erdgas beziehen.

 

Von Anna-Maria Salmen, Kirchheim, Aschheim

 

Es ist schon einige Zeit her, da hat Wolfgang Fischbacher die Kosten für seinen Fernwärmeanschluss mit dem Gasvertrag seines Sohnes verglichen. Für einen Jahresverbrauch von 17 000 Kilowattstunden zahlt letzterer 1467 Euro. Bei der AFK Geothermie GmbH, einer kommunalen Tochtergesellschaft der Gemeinden AschheimFeldkirchen und Kirchheim, hätte man bis Ende 2024 für den gleichen Verbrauch 3506 Euro bezahlt, hat Fischbacher ausgerechnet – und das, obwohl Erdwärme als umweltfreundliche, nachhaltige und vor allem regionale Energiequelle gilt.

Zwar hat das Kommunalunternehmen, das die drei Gemeinden im Münchner Osten mit Fernwärme aus heißem Tiefenwasser versorgt, seine Preise zum Jahreswechsel leicht gesenkt; viel macht das aber nicht aus, wie Volker Reichenbach, ein anderer Kunde der AFK, sagt. „Das ist eine Feigenblattaktion.“ Seit Anfang des Jahres sei der Wärmepreis um neun Prozent günstiger, aber immer noch um 99 Prozent teurer als im September 2022. Reichenbachs Fazit: „Die AFK ist im aktuellen Setting gescheitert.“

 

 

Reichenbach und Fischbacher haben sich gemeinsam mit weiteren Geothermie-Kunden aus Aschheim und Kirchheim im Laufe der vergangenen Monate zu einem Arbeitskreis zusammengeschlossen. Ausschlaggebend waren die extremen Preiserhöhungen, mit denen das Geothermie-Unternehmen seit Frühjahr 2024 Unmut auslöst. Innerhalb von 15 Monaten seien die verbrauchsabhängigen Kosten um 119 Prozent gestiegen, sagt Reichenbach. Zusätzlich sei der Grundpreis im gleichen Zeitraum um 23 Prozent auf inzwischen fast 700 Euro pro Jahr erhöht worden.

AFK-Geschäftsführerin Martina Serdjuk begründet die Entwicklung damit, dass der Geothermie-Preis an Indexwerte für Erdgas, Strom, Heizöl und Fernwärme gekoppelt sei. Steigerungen bei diesen fossilen Energieträgern wirken sich demnach auch auf die AFK aus. Den Ärger ihrer Kunden kann Serdjuk nur bedingt verstehen: „Ein derartiger Preisanstieg ist nicht schön, aber wir müssen auch in die Realität zurückkehren. Was haben denn Gaskunden erlebt?“ Zu Hochzeiten der Energiekrise hätten diese bis zu sechsmal mehr zahlen müssen als zuvor. Den Entwicklungen auf dem Energiemarkt hinke man hinterher. Das bedeute aber auch, dass das Sinken der Gaspreise erst verzögert in den Preisen der AFK berücksichtigt werde.

 

Haben sich zusammengeschlossen: die AFK-Kunden Volker Reichenbach, Wolfgang Fischbacher, Siegfried Ströl, Suasan Gentz und Bernd Altmann (von links). (Foto: Claus Schunk)

Für Reichenbach und seine Mitstreiter ist das kein Trost. Sie halten die Preisberechnung der AFK für paradox und haben herausgefunden, dass ihr Geothermie-Arbeitspreis durch die indexbasierte Berechnung zu mehr als 80 Prozent von den aktuellen Kosten für fossile Energie beeinflusst werde. „Das entspricht nicht den Realitäten“, so Reichenbach. Die Geothermie an sich sei schließlich eine stabile Quelle und müsse unabhängig sein von Gas und Öl. Auch das Bundeskartellamt habe das Problem bereits im Blick: Es prüfe die Preisklauseln anderer Wärmeversorger darauf, ob sie die tatsächliche Entwicklung der Kosten angemessen abbilden.

Nach Ansicht von Reichenbach sind die aktuellen Preise der AFK nicht marktfähig. So sei ein Geothermie-Anschluss deutlich teurer als ein Gasvertrag. Nachdem die Preise für fossile Energieträger aufgrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine zwischenzeitig stark gestiegen waren, sinken sie mittlerweile wieder deutlich – anders als die Preise der AFK Geothermie. Aber auch innerhalb des Erdwärme-Marktes hat der Arbeitskreis enorme Unterschiede festgestellt. „Die AFK ist das teuerste Geothermie-Unternehmen in Deutschland“, sagt der Kirchheimer Wolfgang Fischbacher.

Die SPD-Fraktionen in den Gemeinderäten haben die Beschwerden aufgegriffen

Die Kunden stören sich zudem auch an der „Intransparenz“ der Kommunalgesellschaft. Wer selbst den konkreten Preis für seine Energieversorgung ausrechnen will, stoße daher schnell an Grenzen. Laut Fischbacher sind die Indexwerte, die in die Formel einfließen, veraltet oder nicht auffindbar. Ohne die korrekten Zahlen könne man den Preis aber nicht berechnen. Auch Geschäftsbilanzen würden nicht veröffentlicht, dabei wären diese Daten wichtig, um Preisentwicklungen nachvollziehen zu können. „Wir werden nicht einbezogen und mit Informationsbröckchen abgespeist“, sagt Reichenbach. Dabei werbe die AFK auf ihrer Internetseite damit, bürgernah zu sein. „Es ist extrem frustrierend.“

Dennoch wollen die Mitglieder des Arbeitskreises nicht aufgeben. „Wir wollen nicht nur meckern, sondern etwas beitragen“, sagt Reichenbach. Monatelang habe er mit seinen Mitstreitern zur Preisgestaltung der AFK recherchiert und die Informationen an die Kommunalpolitik weitergegeben. In der Folge haben die SPD-Fraktionen in allen drei Gemeinderäten Anträge eingereicht, damit die Preisformel überarbeitet wird. Reichenbach und seine Mitstreiter setzen sich außerdem für einen Bürgerrat aus fachkundigen Kunden ein, der die AFK unterstützt – damit diese „verlässlich, marktfähig und bürgernah“ werde.

„Wir sind an sich davon überzeugt, dass die Geothermie eine sinnvolle Lösung ist“, sagt Reichenbach. Sie sei ein Schatz in der Erde. „Aber dieser Schatz wird momentan in den Dreck gezogen“, fügt Fischbacher hinzu.

Die Rechercheergebnisse des Arbeitskreises finden sich unter www.bi-afk.de.

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