Offener Brief
(21. Mai 2026)
an die Damen und Herren Gemeinderäte der Gemeinden
Aschheim, Feldkirchen und Kirchheim
Betreff: Verantwortungsvolle Kommunalpolitik oder Profitmaximierung auf Kosten der Bürger? Die Rolle der AFK-Geothermie in der Wärmeplanung.
Sehr geehrte neu gewählte und wiedergewählte Mitglieder der Gemeinderäte,
mit der im Mai stattgefundenen Vereidigung treten Sie Ihr Amt als Vertreter der Bürgerinnen und Bürger an. Sie haben sich verpflichtet, zum Wohle unserer Gemeinden zu handeln. Ein zentraler Baustein dieses Wohls ist die kommunale Wärmeplanung, die vorsieht, dass künftig knapp die Hälfte unserer Haushalte (49 %) durch die AFK-Geothermie versorgt werden soll.
Doch als gewählte Mandatsträger müssen Sie sich heute eine unbequeme Frage gefallen lassen: Stehen Sie für eine bezahlbare Daseinsvorsorge oder legitimieren Sie eine systematische „Abzocke“ Ihrer eigenen Wähler?
Die Faktenlage zur AFK-Geothermie GmbH, deren Gesellschafter Ihre Gemeinden sind, zeichnet das Bild eines Unternehmens, das seinen Gründungsauftrag – eine preiswerte, unabhängige Wärmeversorgung – aus den Augen verloren hat:
- Die „fossile“ Preis-Falle: Obwohl die Wärme zu ca. 70 % aus lokaler Tiefengeothermie gewonnen wird, referenziert die Preisgleitformel primär auf fossile Energieträger. Das Ergebnis ist eine absurde Entkoppelung: Während die Erzeugungskosten relativ stabil sind, explodieren die Preise für die Kunden aufgrund globaler Krisen.
- Rekordgewinne statt Entlastung: Die Bilanz 2024 spricht eine deutliche Sprache. Der Jahresüberschuss stieg massiv auf ca. 1,69 Mio. Euro. Rechnerisch trägt jeder angeschlossene Haushalt durchschnittlich jährlich über 1.000 Euro zuzüglich der gesetzlichen Mehrwertsteuer von 19% zum reinen Gewinn des Unternehmens bei. Die AFK hortet mittlerweile Barreserven von fast 18 Mio. Euro – Geld, das den Bürgern durch überhöhte Preise entzogen wurde.
- Klammheimliche Anpassungen: Im Februar 2026 wurde ohne jede Vorankündigung stillschweigend eine neues, „korrigiertes“ Preisblatt für 2026 auf der Homepage der AFK eingestellt. Die Kosten für die CO2-Abgabe wurden, wohl als Reaktion auf den Einspruch der Bürgerinitiative angepasst, da die im vorherigen Preisblatt veröffentlichten Werte für die Berechnung der CO2-Abgabe nicht zu „halten“ waren, weil seit Jahren nachweislich zu hoch.
Die BI reklamiert hingegen die Rechtmäßigkeit der CO2-Abgabe an sich, da die der Preisgleitformel zugrunde liegenden Indizes bereits CO2-bepreist sind. Ein zusätzlicher CO2-Preis ist aus unserer Sicht eine unzulässige Doppelbelastung. Viele Mitglieder der Bürgerinitiative haben daher der Jahresrechnung 2025 widersprochen und leisten die monatlichen Zahlungen unter Vorbehalt.
Das Einspruchsschreiben datiert aus Februar 2026. Eine Reaktion der AFK-Geothermie Geschäftsführung blieb bislang aus. - Arroganz der Macht gegenüber den Bürgern: Seit Juli 2025 versuchen wir als Bürgerinitiative, einen ernsthaften Dialog zu führen. Die Chronologie (siehe Anhang unten) ist beschämend: Zugesagte Termine wurden monatelang verschoben, schriftliche Anfragen ignoriert oder mit demonstrativem Desinteresse („Worum ging es eigentlich?“) beantwortet.
Verantwortungsvolle Politik sieht anders aus!
Wenn Sie nun im Rahmen der Wärmeplanung den Monopolstatus der AFK-Geothermie weiter zementieren, liefern Sie die Bürger einer Preisgestaltung aus, die weder transparent noch sozial gerechtfertigt ist. Kommunale Daseinsvorsorge darf nicht zur Kostenfalle für die Kunden werden.
Wir fordern Sie daher auf, noch vor weiteren Weichenstellungen in der Wärmeplanung:
- Die Preisgleitformel umgehend zu reformieren und an die realen Kosten der Geothermie anzupassen.
- Volle Transparenz über die Gewinnverwendung und die Barreserven herzustellen (Offenlegung der vollständigen GuV).
- Die zu Unrecht erhobene doppelte CO2-Abgabe an die Haushalte zurückzuerstatten.
- Den Dialog mit der BI-AFK e.V. ernsthaft aufzunehmen, statt ihn durch Terminverschiebungen auszusitzen.
Wir erwarten von Ihnen, dass Sie Ihre Aufsichtspflicht in den Gremien der AFK-Geothermie wahrnehmen und den „Hinterzimmer-Kurs“ beenden. Wir werden die kommenden Gemeinderatssitzungen und die Umsetzung der Wärmeplanung sehr genau beobachten und die Öffentlichkeit weiterhin über die wirtschaftlichen Hintergründe informieren.
Gerne laden wir alle engagierte und interessierte Gemeinderatsmitglieder zu unserem nächsten Regelmeeting am 2. Juli 2026, 19:00 Uhr zum Gedankenaustausch und zur vertieften Erörterung der Sachverhalte ein. Unsere regelmäßigen Treffen finden statt im Pfarrzentrum St. Peter und Paul im Kirchenweg 3 in Aschheim. Wir freuen uns auf ihr Kommen.
Mit freundlichen Grüßen
Der Vorstand der BI-AFK e.V.
Chronologie des Desinteresses (Auszug):
- 14.07.2025:
Zusage der Bürgermeister für ein Gespräch (öffentliche Veranstaltung Feldkirchen zur Kommunalen Wärmeplanung). - 27.11.2025:
Erstes Gespräch; Zusage eines Folgetermins für Januar 2026. - Jan. – März 2026:
Permanente Terminverschiebungen durch die Bürgermeister. - 02.03.2026:
offene Fragen aus dem November-Termin werden schriftlich an den AR-Vorsitzenden Herrn Jansen gerichtet. - 01.04.2026:
Letzte schriftliche Erinnerung der Bürgerinitiative. - 21.05.2026:
Bis heute keinerlei inhaltliche Reaktion oder Terminnennung.
