Brief an die Süddeutsche Zeitung
als Reaktion auf den Artikel vom 14. Juli 2026
(15. Juli 2026)
Sehr geehrte Frau Gnau,
sehr geehrte Damen und Herren der Lokalredaktion,
mit großem Interesse haben wir Ihren Artikel „Die interkommunale Geothermie-Gesellschaft von Aschheim, Feldkirchen und Kirchheim setzt weiter auf Energie aus dem Untergrund“ (SZ vom 14. Juli 2026) gelesen.
Obwohl wir als Bürgerinitiative BI-AFK e.V. den Ausbau der Geothermie ausdrücklich begrüßen, haben wir als Verbraucher aktuell wenig Grund zum Feiern. Die Gemeinden setzen in ihrer Wärmeplanung voll auf die AFK-Geothermie GmbH (Soll: ca. 50 % Abdeckung). Doch während die Politik jubelt, wächst der Unmut der Bürger. In Ihrem Artikel vom 08.12.2025 hatten Sie bereits über unsere Kritik berichtet – seitdem hat sich unsere Meinung durch neue Fakten verfestigt.
Wir möchten Ihnen die harten Fakten präsentieren, die zeigen, warum die Stimmung vor Ort kippt, und würden uns freuen, wenn die SZ diesen Konsumentenschutz-Themen ein Forum bietet:
1. Die fehlerhafte Preisgleitformel: Koppelung an fossile Energieträger
Die Formel bildet die tatsächliche Kostenstruktur der Geothermie nicht ab, da sie starr auf fossile Energieträger referenziert. Geopolitische Krisen treiben so künstlich den Preis für unsere lokale, CO₂-freie Wärme nach oben, obwohl die Gewinnungskosten der AFK (abgesehen von der Inflation) stabil bleiben. Die Folge: Die Preise haben sich verdoppelt, die Gewinne der AFK verfünffacht!
Dass die Formel angeblich nicht änderbar sei, ist unbelegt. Andere Versorger beweisen das Gegenteil und gewähren kundenfreundliche Preisnachlässe (z. B. die ZES Sauerlach am 08.07.2026; Details auf unserer Homepage unter Presse/Medien). Die mathematische Genauigkeit der Formel ist eine Illusion – die Streuung ist so groß, dass man fast jeden Wunschpreis errechnen kann. Ziel muss ein fairer, marktfähiger Preis sein. Alles andere geschieht auf dem Rücken der Kunden.
2. Realitätsferne Vollkostenrechnung der AFK
Die auf der Website der AFK veröffentlichte Vollkostenrechnung mag mathematisch korrekt sein, ist aber praxisfern:
- Unrealistischer Verbrauch: Es wird von einem viel zu niedrigen Jahresverbrauch (10 MWh) ausgegangen.
- Fehlende Alternativen: Bei einer Ersatzinvestition für Öl-/Gasheizungen werden moderne Wärmepumpen und Pelletheizungen komplett ignoriert. Bezieht man diese ein, ist die Geothermie die teuerste Variante.
- Bestandsschutz ignoriert: Wenn keine Neuinvestition ansteht (funktionierende Gasheizung), bleibt Gas aktuell deutlich günstiger (Bsp. Stadtwerke Duisburg: AP 9,35 Ct./kWh, GP 6,19 €/Monat; Quelle: Check24 vom 15.07.2026).
3. Ausnutzung der Monopolstellung & Ignorieren von Bürgeranfragen
Unser schriftlicher Einspruch zur Jahresrechnung 2025 (Rüge der unberechtigten CO₂-Abgabe) vom Februar 2026 ist bis heute unbeantwortet. Selbst auf Schreiben unserer Rechtsanwälte reagiert die Geschäftsführung nicht. Informell erfuhren wir, „international renommierte Kanzleien“ hätten die Rechtmäßigkeit bestätigt – Einsicht in diese Gutachten oder die Argumentation wird uns jedoch nicht gewährt. Hier stellt sich die Frage: Geht es um ein faires Miteinander oder bloß darum, juristisch gerade noch "nicht angreifbar" zu sein? Andere kundenorientierte Energielieferanten agieren hier völlig anders. Wenn der Sachverhalt so eindeutig wäre, könnte die AFK ihre Argumente schließlich offenlegen.
4. Verweigerung jeglicher wirtschaftlicher Transparenz
Die verkürzte Bilanz im Bundesanzeiger ist wenig aussagekräftig. Die Offenlegung von GuV, Finanzströmen und Gewinnverwendung wird mit fadenscheinigen Argumenten verweigert. Große, private Aktiengesellschaften sind hier transparenter als diese mit Steuermitteln aufgebaute kommunale Gesellschaft. Jeder Kunde trägt statistisch mit stolzen 1.200 € brutto zum Gewinn der AFK bei. Solche Traum-Renditen sind in der Branche unüblich. Finanzieren die Altkunden hier heimlich die zweite Dublette und den Netzausbau?
5. Verweigerung des Dialogs durch die Politik
Unsere Versuche, mit den Gesellschaftern – vertreten durch die Ersten Bürgermeister – ins Gespräch zu kommen, scheiterten konsequent. Termine wurden verschoben, Briefe an den Aufsichtsrat blieben unbeantwortet.
Ein kleiner Lichtblick: An unserem 3. Regelmeeting am 02.07.2026 nahmen sechs Gemeinderäte teil. Sie folgten unserem Offenen Brief vom Mai 2026. Dies ist hoffentlich der Anfang eines konstruktiven Dialogs, den wir trotz aller Frustration weiterhin kooperativ und optimistisch suchen.
Warum findet diese verbraucherkritische Perspektive keinen Platz in der Berichterstattung?
Im Sinne einer ausgewogenen, faktenbasierten und kritischen Pressearbeit, wie wir sie von der SZ schätzen, halten wir die Darstellung unserer Fakten für demokratisch geboten. Unsere Bürgerinitiative zählt inzwischen über 150 Mitglieder.
Gerne stehen wir Ihnen für ein persönliches Gespräch zur Verfügung, um die komplexen Sachverhalte im Detail zu erörtern und Ihre Fragen zu beantworten.
Mit freundlichen Grüßen
für den Vorstand der BI-AFK e.V.
Volker Reichenbach
